René Selonke ist Studierender des Monats Oktober

Veröffentlicht am: 12 Oktober 2017

Diesen Oktober ist René Selonke Studierender des Monats an der Kunstschule Wandsbek in Hamburg. René studiert bei uns im sechsten Semester und ist einer unser ältesten Studis. Mit dem Alter kommen selbstverständlich auch Erfahrungen. Und davon hat René bereits einige gesammelt. In unserem Interview verrät er uns mehr über seinen vielfältigen, interessanten Charakter und seine Arbeiten.

Wer bist Du und was zeichnet Dich aus?

Naja, ich bin René. Ich bin 32 Jahre alt und wohne in Uetersen, das ist eine kleine Stadt jenseits von Pinneberg. Bevor ich hier an die Kunstschule kam, habe ich ganz unterschiedliche Dinge ausprobiert, um meinen Platz in der Welt zu finden. Nach der mittleren Reife war erst mal Suchen angesagt. Ich habe im Tierpark gearbeitet, in einer Konditorei, auf dem Bau geschuftet und im Sommer zusammen mit meinen Vater in einem Wohnwagen auf der Düne des Seelendorfer Strandes an der Ostsee gewohnt, wo wir eine Trampolinanlage leiteten. Irgendwann habe ich dann meine Ausbildung zum Vermessungstechniker gemacht und auch als solcher gearbeitet. Wir haben an der Nordsee von Büsum bis Brunsbüttel eine Stromtrasse verlegt, 50 km. Wahnsinns Arbeit, aber super Kollegen. War dort auf Montage, das heißt nur am Wochenende zu Hause. Oftmals aber Nichtmal das. Mit ende zwanzig machte sich dann der Gedanke breit, dass es jetzt vielleicht die letzte Chance sein könnte meinen ewigen Traum, ein Kunst- oder Designstudiums abzuschließen, zu erfüllen. Ich dachte also, wenn ich das jetzt nicht mache, dann nie. Ich wollte einfach mein Glück finden, was früher aus Bildung und Geldgründen unmöglich war. Ich bin also wohl das, was man einen Idealisten und Träumer nennt. Oft zu verkopft und in den Wolken schwebend, strampel ich mich ab und bekomme manchmal keinen Fuß an den Boden. Gleichzeitig habe ich eine ganz anständige Beobachtungsgabe entwickelt, die mir seit jeher bei meinen illustrativen Arbeiten hilft. Gepaart können diese Eigenschaften zu Frust führen, wenn Beobachtung und Zielvorstellungen nicht zusammenpassen. Mir wird deshalb immer wieder gesagt, ich hätte einen ziemlich hohen Anspruch an mich und meine Arbeit. Ich kann dann schon ziemlich aus der Haut fahren, und stink wütend werden. Bin aber absolut nicht cholerisch: das an anderen auszulassen, wäre nicht fair. Ich habe halt Temperament. Aber ich denke in solchen Spannungsfeldern passieren die interessanten Dinge im Leben. Das hört sich jetzt nach einer blöden Phrase an, trotzdem stimmt es irgendwie. Das Pendel hat aber definitiv zwei Richtungen. Auf der anderen Seite bin ich total albern und überschwänglich. Die beiden Extreme sind natürlich impulsiv und schlecht planbar, daher versuche ich das durch Konzeptionelles arbeiten etwas abzufangen, um konstante Qualität erzeugen zu können. Letztlich geht es immer darum, Räume zu schaffen. Was ich oft noch zu wenig mache, ist Dinge zu tun, die mich nachhaltig glücklich machen. Das kennt vermutlich jeder. Draußen in der Natur sein, den Wind, die Sonne oder auch den Regen auf der Haut spüren, das ist toll. Einfach mal weit gucken, die Details der Umwelt wahrnehmen. Aber am Ende schaut man dann doch nur zwei Meter weit auf ’nen Bildschirm mit Netflix. Momentan überlege ich, den Ganzen Scheiß der einen so ablenkt einfach los zu werden, für das siebte Semester. Irgendwie reift der Gedanke heran, dass es zwei Sorten von Menschen gibt, Consumer und Creator. Natürlich braucht man trotzdem Input und auch mal Entspannung, aber sein Hirn ständig in diese Soße einzulegen, scheint mir wenig zielfördernd zu sein. Aber mal sehen, das Ganze ist noch zu wenig durchdacht…

 

Wie Startet dein Tag?

Zu früh würde ich sagen. Um 6:30 Uhr klingeln die Wecker, ja plural. Um 7:20 Uhr fährt der letzte Bus hier in Uetersen ab, um letztlich noch pünktlich in der Uni anzukommen. Unterwegs wird oft noch ein Brötchen inhaliert und der ein oder andere Mitstudent getroffen – also der Eine oder der Andere. Nebenbei wird oft gescribblet. Zwinge meinen faulen Arsch alle Treppen zu nehmen, die sich bieten, um selbigen dann in den Räumlichkeiten der Kunstschule niederzulassen. In der Pause dann raus, frische Luft schnappen, um gemeinsam über unser schweres Leben zu stöhnen. Wieder rein und weiter an den coole Sachen arbeiten. Der Heimweg dauert bedauerlicherweise noch länger, so summiert sich der tägliche Fahrtaufwand zu ca. 4 Stunden. Das hat sowohl Nach- als auch Vorteile. Erstere liegen ziemlich offensichtlich auf der Hand, andererseits kann man sich, während man an die Bus und Bahn Sitze gebunden ist, inhaltlich mit seinen Aufgaben beschäftigen. Aber ich will hier nicht so tun als ob. Natürlich labert man mit seinen Freunden auch eine ganze Menge amüsanten Müll während der Heimreise.

 

Wie würdest du dein Design beschreiben?

Grafisch, sauber, oftmals; zumindest, sofern Schrift eine Rolle spielt, versuche ich übersichtlich und gut leserlich zu arbeiten. Mir kommt es da mehr auf den sinnvollen Transport des Inhaltes an, als auf Gestaltung. Wobei sich das natürlich bedingt. Ich denke mein Buch über Legasthenie aus dem 4. Semester ist eine ganz gute Referenz. Dort konnte ich auch sinnvoll meine Illustrationen einbinden, die einen guten Kontrast zum Text und den grafischen Elementen bot.

 

Analog oder Digital?

Am liebsten eine Mischform, das kommt aber natürlich auf den Kontext an

 

Wie/wo tankst du Energie?

In der Natur, möglichst weit draußen, wo keine oder nur wenig Menschen sind. Einfach klasse. Mit gutem Essen, allein auf dem Sofa. Da wird alles vorbereitet und in greifbarer Reichweite drapiert. Wenn dann auch alle Aufgaben erledigt sind, bin ich im Himmel. Andererseits ist Musik ein echter Motor. Ich höre viel Hip-Hop / Rap Instrumentals und Freestyle dazu, wenn der Beat knallt. Natürlich bin ich mega wack, aber ich hab instant gute Laune und darauf kommt es an

 

Wo würdest du mal gerne Urlaub machen?

Wo würde man mal gerne keinen machen? Ich meine, es kommt natürlich auf die Dauer an, drei Wochen Pellworm ist jetzt nicht ganz mit Indonesien vergleichbar. Oder doch? Wäre mal interessant die Parallelen zu ziehen. So auf den ersten Blick unterschiedliche Orte gleich zu setzen. Aber o. k.. Um noch ne vernünftige Antwort zu geben, in der Wüste. Sowohl Kälte als auch Hitze muss total beeindruckend sein.

 

Was wünscht du dir für deine Zukunft?

Was ich mir für meine Zukunft wünsche, dass würde mich auch bei anderen interessieren. Ich würde mir wünschen, dass ich wirklich von meiner kreativen Arbeit leben kann. Und das wird schon schwer genug, ich denke, die meisten von uns an dieser Schule werden in zehn Jahren etwas ganz anderes machen. Aber das ist auch o.k., man muss sich einfach ausprobieren

 


Schlagwörter: , , , , , , , , , , , ,

Autor: Alex und Rico

Alex und Rico

Hier ist bald ein Text in dem Ihr mehr über uns erfahren könnt.

Kommentare