Zum Ende des August diesen Jahres erhielt die kunstschule wandsbek hohen Besuch von der renommierten Illustratorin Sabine Wilharm.
Der Gastvortrag von Frau Wilharm sorgte schon im Voraus für eine Menge Aufregung bei unseren Studierenden und als ihr Vortrag begann, war der offene Kommunikationsraum bis auf den letzten Platz gefüllt.

Sabine Willharm

Sabine Willharm

Frau Wilharm erzählte uns zunächst von ihrem beruflichen Werdegang.
Auch sie studierte in Hamburg, an der Fachschule für Gestaltung in der Armgartstraße.
Nach dem Ende ihrer Studienzeit bewarb sie sich in verschiedenen Verlagen und Buchhäusern und kam so schnell dazu für die Presse und verschiedene Kinderbücher zu illustrieren.
Uns verriet sie, dass die Buchillustrationen spannender fand, da die Presse sehr modeabhängig und kurzlebig ist.

Sie stellte uns ihre Arbeiten für den Carlsen Verlag vor und umriss kurz ihre Arbeitstechnik.
Ebenso präsentierte sie uns am Beispiel des Buches „Der Zauberlehrling“ ihre Arbeit für den Kindermann Verlag. Für diesen illustrierte sie modernisierte, nacherzählte Klassiker.
Sie zeigte uns auch ihre Illustrationen für den Roman „In einem Mietshauskörper“ von Katharina Höcker und einen Jahreskalendar für den Carlsen Verlag.
Der selbe Verlag, für den sie auch die „Harry Potter“ Titelseiten illustrierte.
Danach präsentierte sie noch Zeichnungen von sich, die in ihrer freien Zeit entstanden waren und wies uns in die Basis des Verlagswesens ein.

Daraufhin erklärte sie uns noch sehr ausführlich ihre Arbeitsweise anhand des Buchs „Vom Fischer und seiner Frau

Zunächst bekommt sie das Manuskript und liest dieses sorgsam.
An dieser Stelle wies sie uns noch darauf hin, wie wichtig Ordnung auf dem eigenen Computer ist und zeigte uns sogar die Sortierung ihres Privatrechners und und riet zu regelmäßigen Backups.
Nachdem das Manuskript gelesen ist, macht sie sich das erste Storyboard.
Dieses macht sie ab diesem Zeipunkt in jeder Phase des Schaffens, vom Scribble bis zur  Reinzeichnung.
Ihre Scribbles macht sie gern draussen, in Cafes oder anderen belebten Orten, da sie dort viel Inspiration schöpft.
Im nächsten Schritt wird das skizzierte Storyboard coloriert und die Probe geht an den Verlag zur Abstimmung.
Nachdem der Verlag den Entwurf bestätigt geht sie Schritt für Schritt weiter in die Zeichnung, bis sie stimmig ist.
Dann wird die Illustration auf Pappe gedruckt und sie arbeitet mit Stiften auf dem Druck.
Wenn sie zufrieden ist geht die Arbeit gebündelt in die Litoanstalt, wo die Farben angepasst und die Drucksimulation erstellt wird.
Die erhaltenen Feindaten prüft sie und schickt diese dann an den Verlag.

Nachdem sie uns den Prozess anhand vieler Bildbeispiele erklärt hatte, zeigte sie uns die fertigen Seiten aus „Vom Fischer und seiner Frau“ mit der jeweiligen Bildbeschreibung.
So zum Beispiel erklärte sie, dass sie die Seiten immer ganz füllt und nur Freiräume lässt, wenn es sein soll, zB für den Text.
Ihre Perspektiven hält sie gerne abstrakt und passt sie der Anmutung an.

An dieser Stelle war ihr Vortrag eigentlich vorüber, doch unsere Studierenden waren so begeistert, dass sie um eine Zugabe baten.
Diese bekamen sie auch.
Frau Wilharm erklärte noch sehr genau, wie sie zum entgültigen Cover kam und welche Ideen sie davor hatten, welche sie verwarf und weshalb sie dies tat.
Zudem zeigte sie uns noch die Harry Potter Buchttitel und erklärte, wie sie dazu kam und wie sie auf ihre Ideen kam.

Als der Nachmittagsunterricht begann, mussten jedoch auch unsere Studierenden abbrechen.
Alle waren begeistert und einige fragten sogar nach Autogrammen.

Nach so einem langen Vortrag war Frau Wilharm sogar noch bereit zu einem Kurzinterview:

Ich fragte sie, worüber denn ihr Einstieg in die Illustration kam.

Sie erklärte, dass dies auf ihren Wunsch hin entstand eine Ausbildung im künstlerischen Bereich zu machen.
Während dieser Ausbildung stellte sie bereits fest, dass die Illustration eine ihre Stärken war.
Zudem hatte sie einen guten Lehrer, der die Thematik hat verständlich erscheinen lassen.
Nach ihrem Abschluss in 1976 hat sie dann begonnen sich zu bewerben.

Dann interessierte mich, wie sie an ihre Aufträge kommt.

Dazu sagte sie, dass sie sich anfangs noch in den Redaktionen beworben hat oder sich auf Messen (zB. Buchmessen) vorgestellt hat. Mittlerweile hat sie aber, aufgrund der vielen Buchillustrationen, eine Menge Kontakte geknüpft und nun meldet sie sich direkt in der Redaktion oder die Kunden kontaktieren sie.

Meine nächste Frage war, ob ihr die kw gefallen würde.

Sie sagte ihr Aufenthalt vor dem Vortrag war recht kurz, da sie gleich in den Kommunikationsbereich durchgegangen ist, um sich vorzubereiten.
Der erste Eindruck, vor allem der des offenen Computerbereichs sei jedoch sehr beeindruckend gewesen.

Neugierig war ich auch, ob sie denn bereits vor deren Veröffentlichung in den zu illustrierenden Büchern lesen darf. Deren Inhalte (vor allem die der Harry Potter Bücher) werden ja sehr geheim gehalten.

Auch dies bestätigte sie mir.
Sie muss die Bücher vorab lesen, um sich einen Eindruck über die Eigenschaften der Hauptpersonen, der Handlungsabläufe und der Sprache zu machen.
Es bestimmt die Entscheidung über die Bilder.
Bei der Zeitung zeichnet sie zu einem Thema, beim Buch zum Manuskript.

Wir bedanken uns nochmals recht herzlich bei Frau Wilharm für die Zeit, die sie sich für uns genommen hat und den sehr detaillierten und interessanten Vortrag.

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