Günther Förg’s Wandmalerei

Veröffentlicht am: 27 November 2015

Günther Förk

„Für mich ist abstrakte Kunst das, was man sieht und mehr nicht.“
– Günther Förg

Ein Artikel von Kimberly Klingforth
(mit Fotos von Kimberly Klingforth und Felix Krebs)

Betritt man die Deichtorhallen, in dem sich zurzeit die Günther Förg Ausstellung befindet, so scheint es einem als würde man durch eine Steinmauer hindurch rennen und das Gleis 9 ¾ betreten. Auf der anderen Seite der Mauer erwartet einen zwar keine fantastisch magische Welt, aber die riesigen Farbwände denen man gegenüber steht bieten dennoch  ein wirklich außergewöhnliches Erlebnis.

Gouda in drei Reifegraden

Gouda in drei Reifegraden

„Diese Wandmalerei stellt jungen Gouda, alten Gouda und ganz alten Gouda dar.“  – Jeff Turek

„Günther Förg ist bereits seit 2013 tot, mausetot.“, erklärt Jeff Turek, unser aus New York stammender Guide, mit seinem herrlichen Akzent, zu Beginn der  Führung.  Aufgrund dessen ist es nicht unbedingt eine „Günther Förg – Ausstellung“ da er persönlich keinerlei Anteil daran hatte und auch keines seiner von ihm aufgenommenen Portraits ausgestellt worden ist.
Doch selbst zu Lebzeiten ließ der Künstler bereits seine Wandmalereien von Assistenten unter Anweisungen fertigen.
Lediglich nach seinem Studium, als er als Hausmaler arbeitete, fertigte er noch seine Arbeiten selber an.  Des Weiteren ist zu beachten, dass die Wandmalereien aus der Ausstellung mit denselben Farben, wie die Originale, hergestellt worden sind.

„Für mich ist abstrakte Kunst das, was man sieht und mehr nicht.“
Durch diese Aussage lässt Förg selbst keinerlei Raum für übertrieben spekulierende Deutungen in seine Arbeiten.

Betrachtet man die Werke aus einiger Distanz, so scheinen sie völlig monochrom, fast schon statisch. Verringert man jedoch den Abstand und  verändert somit auch seinen Blickwinkel, so erkennt man, dass durch die intensiven, vielschichtigen Farbaufträge eine Struktur entstanden ist, die das ganze Erscheinungsbild weicher und aus diesem Grund auch lebendiger wirken lässt.

Steht man direkt vor einer dieser Wände kann man das Vibrieren durch die Intensität der Farbe fast spüren und hat das Gefühl in diese eintauchen zu können, mehr noch in sie hineingezogen zu werden, um dessen Farbatmosphäre in sich auf zunehmen.

Von den Werken selbst geht eine Energie aus, die sich durch die geometrischen Strukturen auf das architektonische Umfeld ausweitet. Der Raum selbst wird zum Kunstwerk. Der Betrachter steht nun nicht mehr nur davor, er ist Teil von eben diesem.  Er ist in einem Gemälde.

Trotz der unterschiedlichen Farbkompositionen und den von ihn ausgehenden energetischen Schwingungen ist kein Entwicklungsprozess des Stils von Günther Förg erkennbar.

-„Bullshit, this is waste of money and time. When I was 16, I did a better job in painting my bedroom.“
-„Amazing!“

Wie aus diesem Beitrag des Gästebuches zu entnehmen ist, sind die Meinungen über diese Ausstellung sehr verschieden. Daher lässt sich kein absolutes Fazit ziehen. Letztendlich muss ein jeder für sich selbst entscheiden, ob dies seinem Geschmack entspricht.

Anschließend besuchten wir die „VisualLeader 2015“ – Ausstellung gegenüber.
Diese unterschied sich ganz und gar von der Günther Förg – Ausstellung.
Es wurden verschiedenste, innovative Fotografien, Zeitungsartikel, Websites Illustrationen und Werbekampagnen der letzten 12Monate ausgestellt, welche die aktuellen Themen, sowie das Weltgeschehen aufgreifen und wiederspiegeln.

Auffällig ist, dass sich die Rohheit, Brutalität und Verderbtheit der Menschen durch die ganze Ausstellung zieht, sowohl in den Bildern selbst, als auch in den Geschichten dahinter.

Besonders der Artikel über die sieben Todsünden in Bezug auf die heutige Zeit, so wie die Fotografien der Flüchtlinge führen vor Augen, dass wir lediglich unseren Trieben folgen ferner unsere Entscheidungen nach ihnen ausrichten und immer weniger unseren Moral- und Ethikvorstellungen entsprechend handeln.

Daher komme ich nicht umhin mich zu fragen:

„Sind unsere Moral- und Ethikvorstellung bereits so sehr verkümmert und
nur noch rudimentär?“

„Sind wir nicht alle mittlerweile mehr Tier als Mensch?“

 

 


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Autor: Miriam Wagner

Miriam Wagner

Hi, mein Name ist Mia. Ich hab von 2009 bis 2013 an der kunstschule wandsbek studiert und schon während meines Studiums an der kw als PR gearbeitet. Jetzt, nach meinem Abschluss, bin ich wieder zurück und freue mich wieder als rasende Reporterin unterwegs zu sein.

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