Besuch im Deutschen Schauspielhaus

Veröffentlicht am: 19 November 2014

Im Rahmen des Seminars „Illustration“, des Semesters 1.1 bei Oliver Hahn, fand am Dienstag den 11.11.14 eine Exkursion ins Deutsche Schauspielhaus in Hamburg statt. Die Aufgabe lautete: Live-Skizzen, während der Generalprobe des Theaterprojektes „Welt-Klimakonferenz“ — Ein Projekt von Rimini Protokoll, anzufertigen. Die Skizzen mancher Studierenden sollen im Programmheft des Deutschen Schauspielhauses aufgenommen werden.

Bereits in der Eingangshalle griffen die Studierenden zu Papier und Stiften und zeichneten ihre ersten Eindrücke oder fotografierten die interessante Innenarchitektur aus dem 19. Jahrhundert. Nach kurzer Wartezeit bekamen die Anwesenden Pässe, worauf eine Flagge eines Landes abgebildet war. Plötzlichen nahmen wir die Rolle eines Delegierten an, für das auf dem Pass stehende Land, wie z.B. China, Deutschland, Russland, die vereinigten Staaten etc. Nachdem jeder die auf dem Pass stehende Platzzuordnung entdeckt hatte, ging es in den prachtvollen Saal, welches das erste Reiseziel als Delegierte wurde. Gleichzeitig wurde der Saal zu einer großen Inspirationsquelle der Künstlerherzen. Nahezu jeder war von der Schönheit des Saales beeindruckt und versuchte so viel wie möglich festzuhalten und auf Papier zu bringen. Leider war die Zeit zum Zeichnen knapp, da wir in einem interaktiven Theaterstück saßen und ständig den Platz wechseln mussten. Doch einen guten Nebeneffekt hatte es: Man kam in den Genuss des Schnell-Skizzierens.

Das Theaterstück begann mit einer internationalen Klimakonferenz in Lima. Vertreter (in diesem Fall waren wir die Vertreter) von über 190 Nationen trafen zusammen, um ein Klimaabkommen zu vereinbaren. Wir trafen auf Experten aus der Klimaforschung (z.B. vom Max-Planck-Institut in Hamburg), aus der Politik und von gesellschaftlichen Organisationen, die über Klima, Gefahren, Politik und Forschungen sprachen und uns mit vielen Zahlen, Fakten, verwirrenden Formulierungen und Allianzen schwindelig redeten – so wie es sich in Wirklichkeit auch abspielte. Zeichnen und Zuhören war kompliziert zu vereinbaren, aber dennoch meisterten die Erstsemestler diese Aufgabe vorbildlich. Dann plötzlich ertönte nach ca. 20 Minuten ein Klingeln. Wir werden gebeten eine weitere „Konferenz“ zu besuchen. Schnell mussten die Kunstsachen verstaut werden und alle hechteten zum nächsten Reiseziel, welches auf den Pässen aufgelistet worden war. (Bei jedem war es anders). Wir erlebten hier einen dreiwöchigen Konferenz-Marathon, welchen die Delegierten im wahren Leben erleben, in einer ca. dreistündigen Nachahmung. Es begann mit der Eröffnung der Konferenz im großen Saal des Schauspielhauses, anschließend ging es in kleineren Gruppen durch das gesamte Theatergelände, um themenspezifische Meetings, die das jeweils zugeteilte Land betreffen, anzuhören und auszudiskutieren.

Highlights waren eine Bustour durch Hamburg, in denen man themenorientierte Orte besuchte, z.B. die Moschee in Hamburg, wenn man eine Delegierte aus dem Osten war. Auch ein weiteres Highlight erwartete die Besucher hinter der Bühne. Dort gab es eine kleine Karusselfahrt, in der man sich auf Liegen legen musste, die sich langsam im Kreis drehten, während man sich von der Sonne, in Form von vielen im Kreis angeordneten Bühnenlichtern, grillen ließ, sobald das Wort „Dürre“ und „Hitze“ in den Erläuterungen der Klimaproblemen fiel.

Letztendlich waren die Logen (man fühlte sich nahezu wie die reichen Opern-Besucher) die beliebtesten Orte zum Zeichnen. Und nachdem ein Dutzend Stifte durch die Rennerei verloren gegangen sind und die 190 Delegationen eventuell eine einstimmige Entscheidung getroffen haben – oder auch nicht, wurde das Stück mit einem lauten Dröhnen und das Erscheinen, der oben genannten „Bühnenlichter-Sonne“, beendet, die gleichzeitig das Ende der Welt andeutete, wenn die Menschheit weiterhin so handelt, wie bisher.

Auch das Semester 1.2 wird unter der Aufsicht von Oliver Hahn in den Genuss kommen Live-Skizzen, während der Aufführung im deutschen Schauspielhaus anzufertigen und für das Programmheft bereitzustellen.

 

Text und Fotos von Jennifer Ehlers

 

 


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Autor: Kunstschule Wandsbek

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Die Kunstschule Wandsbek in Hamburg und Bremen ermöglicht es Kommunikationsdesign zu studieren.

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