“Wie viele Seiten müssen wir machen?”

Kalligrafie

Wir befinden uns im Fach “Kalligrafie” 1. Semester. Ziel des 8-11wöchigen (Sommer oder Winter) Kurses ist das Erlernen einer bestimmten Schrift, ihrer Grundform und mit den experimentellen Möglichkeiten umzugehen.

Um dem gesamten Prozess des Schreibens und Experimentierens eine Form zu geben, wird damit parallel ein Buch (Einzelseiten, japanisch gebunden) zu einem Thema konzipiert.

Buchformat und Satzspiegel bieten bereits viele Variationen, die das zukünftige Buch individuell werden lassen.
Und warum ein Thema wählen? Weil schreiben etwas mit Text zu tun hat, was immer er auch beinhalten mag. Ohne Text kann ich bestenfalls ABC üben, was bei Weitem nicht so effektiv ist, wie sich bereits im Übungsprozess an Texten abzuarbeiten.

Das Thema soll der Studierende so wählen, dass es ihm persönlich gefällt und er sich damit ausdauernd beschäftigen mag.
Schrift, Schreibwerkzeuge, Format, und das Thema geben Gestaltungsmöglichkeiten vor: z.B. durch Stimmungen (leicht, schwer, finster, fröhlich…), durch die Farbgebung (hell, dunkel, farbig aber nicht bunt!…), durch die Wahl des Papiers (weiss, schwarz, farbig, fein, grob, rau, glatt…).

Weitere Möglichkeiten der Seitengestaltung ergeben sich durch den Lernprozess an der Schrift: z.B. präzises Schreiben mit entsprechenden Federn; wird die Form sicher beherrscht, kann sie verändert und durch die Wahl eines experimentellen Schreibwerkzeugs manipuliert werden (fein, schmal, überhöht, dicht und dunkel, eckig, gedrungen, rund, weit schwingend…)
Diese Möglichkeiten lassen sich auf hellem Papier mit schwarzer Farbe durchspielen, wenn dasselbe umgekehrt auf schwarzem Papier mit weisser Farbe und noch auf schwarzem Papier mit bunter Farbe geschieht, erhält man nur durch diesen Übungskomplex eine Menge beschriebener Seiten.

Eigentlich muss sich die in der Überschrift stehende Frage gar nicht stellen!

Wenn man mit seiner eigenen Arbeit und seinem gewählten Thema in Kontakt ist, das heisst in der Lage ist, seine Blätter zu “beseelen”, ergibt sich erfahrungsgemäß ein Arbeitsfluss, der produktiv genug ist, um am Ende eine ausreichende Menge an Blättern zur Auswahl für sein Buch zu haben.

Weil aber die Frage eben doch immer wieder gestellt wird, soll sie auch schlicht beantwortet werden:

20 gute Seiten (mehr geht immer) sind erforderlich um ein vorzeigbares Buch zu bekommen.
Ich habe nur einen kleinen “Möglichkeitenpool” beschrieben, es gibt so viel mehr! Von den individuellen Fähigkeiten und eigenen Ideen unserer Studierenden habe ich jetzt nichts erwähnt. Sie sind da und viele Studierende kommen in verdammt kurzer Zeit zu verdammt guten Ergebnissen und das ist immer wieder toll!

Ein Text von Eveline Petersen-Gröger (Dozentin im Fach Kalligrafie)

Schlagwörter: , , , , , , , , , , ,

Autor: Kunstschule Wandsbek

Die Kunstschule Wandsbek in Hamburg und Bremen ermöglich es design zu studieren. Ich bin auch bei