Treffen mit dem Carlsen Verlag im Illustrationsunterricht mit Susanne Warkentien

20 März 2012
Treffen mit dem Carlsen Verlag im Illustrationsunterricht mit Susanne Warkentien

Der Hamburger Carlsen Verlag gehört zum schwedischen Medienunternehmen Bonnier AB. Sein Schwerpunkt liegt auf Comics, Kinderbüchern und Jugendliteratur. Auf diesen Gebieten gehört er in Deutschland zu den führenden Verlagen. Den größten Erfolg hatte Carlsen mit der Buchreihe um Harry Potter von Joanne K. Rowling.
Die Potter-Illustratorin Sabine Wilharm war an der kw im vorletzten Jahr zum Gastvortrag, im letzten Jahr hatte des vergangene Semester das Glück sie mit Susanne im Kinderbuchhaus zu treffen.

Wo man Liebe hineinsteckt, kommt auch Liebe heraus“

Was zeichnet ein gut illustriertes Kinderbuch aus? Frank Kühne, Programmleiter vom Carlsen Verlag, zog uns durch seinen mitreißenden Vortrag in seinen Bann.

Kinder sehen in Doppelseiten“, es müssen schon beim Skizzenprozess vom Illustrator beide Seiten erfasst und wahrgenommen werden. Ein guter Zeichner macht dies meist jedoch schon ganz intuitiv. Jedes Umblättern bedeutet für den jungen Rezipienten: „Vorhang zu!“ Und: „Vorhang auf!“ Daher darf es auf keiner Doppelseite langweilig werden, auch im Theater möchte man nicht schon wieder das gleiche Bühnenbild anschauen, wenn sich der Vorhang erneut öffnet. Auf jeder neu umgeschlagenen Seite muss den Betrachter etwas ganz Neues erwarten. Das bedeutet natürlich keine unverständlich abrupten inhaltlichen Wechsel, sondern abwechslungsreiche Darstellungen der Handlung.

Sehr anschaulich erklärte Kühne uns die Dramaturgie eines Bilderbuchs anhand des Kinderbuches „Muss mal Pipi “ von Manuela Olten. Ein Bilderbuch für Zweijährige, in dem sich alles mittels freier und leicht verfremdeter Illustrationen rund um das für diese Altersstufe wichtige Thema dreht. Warum eigentlich diese Art der Illustrationen? Warum wird die Toilette nicht mit einer feinen Zeichenhand realistisch dargestellt? – Dem Betrachter würde übel werden, er würde den Geruch quasi bei solch einer realistischen Zeichnung in der Nase haben, was natürlich niemand möchte.

Ein Bilderbuch ist wie ein gezeichneter Film. Die richtige Dramaturgie ist mitentscheidend für das Gelingen eines Bilderbuches. Entscheidend ist u.a. die Abwechslung in Perspektiven, Farbstimmungen, Komposition, Höhepunkt, Streuung und Ballung der gezeichneten Elemente. „Nichts ist langweiliger, als auf jeder Seite eine grüne Wiese zu sehen, auf der ein Mann mit einem Hund spazieren geht.“ Die Kunst ist es ganz banale Texte in spannende Bilder umzusetzen. Außerdem ist „weniger mehr“ hinsichtlich überladener Detailverliebtheit, die vom eigentlich Wichtigen ablenkt.

Nichts ist für den Programmleiter schlimmer als „dahin gehuschte“ Illustrationen, die zudem oft schlecht durchdacht sind. Dazu reichte er sogar Beispiele herum und wir durfte in die Bilderwelt von „durchgefallen“ Büchern eintauchen.

Nach wie vor steht in Sachen Technik übrigens die analoge Machart beim Carlsen Verlag ganz oben. „Nur sehr wenige Illustratoren können digital so geschickt zeichnen, dass man meint, das Bild wäre von Hand gemalt.“

Interessierten Anfängern legt Frank Kühne nahe, es erst einmal mit einem Pixibuch zu versuchen, es ist vom Umfang und Format überschaubar. Das fertige Pixibuch sollte dann als gedruckte Version in richtiger Buchform mit der Post den Weg in den Verlag finden. „Die anderen schauen wir uns ehrlich gesagt noch nicht einmal an“.

Und? Was macht nun gutes Bilderbuch aus? Reicht es, einfach nur die Regeln in Sachen Komposition, Farbgebung und Dramaturgie zu beachten?

Nach Kühne ist es das gewisse Etwas, das sich neben ausgezeichneter Technik und intensiver Arbeitszeit mit einem Funken Magie bemerkbar macht, die beim Anschauen und beim Rätseln nach der Technik ausgelöst wird. Mit ganzem Herzen zu illustrieren ist das Geheimnis eines erfolgreichen Bilderbuches:

Wo man Liebe hineinsteckt, kommt auch Liebe heraus“.

Vielen Dank Herr Kühne, dass Sie sich für uns Zeit haben! Und vielen Dank an das Hamburger Kinderbuchhaus, das uns seine Räumlichkeiten zur Verfügung gestellt hat!

Das 2. Semester

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Vortrag


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Autor: Kunstschule Wandsbek

Die Kunstschule Wandsbek in Hamburg und Bremen ermöglicht es Design zu studieren. Ich bin auch bei